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LVb Infanterie

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Die RS

15. März 2004 - Einrücken in die Infanterie Rekrutenschule 11 in Gossau. Anwesende Personen: 900 Rekruten. Auftrag: so schnell als möglich zu einem Angehörigen der Armee werden. Vorgehen: Acht Stunden vor und im Zeughaus anstehen und in der Zwischenzeit die verschiedenen Ränge und Begrüssungsformen kennen lernen. Informationsbeschaffung: Wo, wann mit welcher Packung und mit welchem Material, das war hier die Frage. Oft mussten wir denn auch fehlendes Nachdenken mit Beinarbeit kompensieren. Präsentationen, Gruppenarbeiten, Allgemeinwissen- und Fitnesstests waren neben psychologischen Gesprächen wesentlicher Inhalt der Kaderauswahl. Nach sieben Wochen war es soweit und die ausgewählten Kaderanwärter verliessen die Rekrutenschule Richtung Birmensdorf.

Die Kaderschule

HOK Stierliberg In Birmensdorf angekommen, mussten abwechslungsweise die verschiedenen Aufgaben wie Klassenchef, Gruppenführer, Motuof, Matchef, etc. von den Kaderanwärtern übernommen werden. Im Grunde hatte ja niemand eine Ahnung von irgendetwas. Alleine schon den Überblick über das Material und die Zeitverhältnisse zu gewinnen war ein mentaler Kraftakt. Panzer einräumen ausräumen einräumen ausräumen, etc. schliesslich konnten wir's in angemessener Zeit. Und nicht nur das, je länger je mehr trainierten wir komplexe Szenarien mit einer Vielzahl an unterschiedlichen Akteuren. Wer ist Freund, wer ist Feind und wer ist wirklich gefährlich? Welche Gefahren lauern beim Betreiben eines Checkpoints und wie kann der Schützenpanzer in den verschiedenen Eskalationsstufen unter der Beachtung der Rules of Engagements eingesetzt werden? Fragen, die oft innerhalb von Sekunden beantwortet werden mussten.

Neben der Arbeit auf dem Feld hatten wir Theorielektionen. Die Themen wurden von den Gruppen erarbeitet und schliesslich präsentiert. Wir verbesserten so nicht nur unsere Präsentationstechnik, sondern lernten auch differenzierte Feedbacks zu geben, Fähigkeiten also, die einem auch im Zivilen immer wieder zu Gute kommen.

Der Offizierslehrgang

Im Offizierslehrgang trafen nun alle verschiedenen Truppengattungen aufeinander. Es folgten viele interessante Vorträge und Besuchstage in Thun und Meiringen. Weiter wurden Präsentationstechniken behandelt, sowie verschiedene Gesprächssituationen simuliert und mit Video analysiert. Entschlussfassungsübungen, Entschlussfassungsübungen, Entschluss-fassungsübungen. Die Theorielektionen hängten mit der Zeit richtig an, weshalb physische Aktivitäten wie Sport oder Übungen im Feld eine willkommene Abwechslung darstellten. Die vier Wochen gingen schnell vorbei und die Offiziersschule rückte mit grossen Schritten näher.

Die Offiziersschule

Einrücken OS Ich bin vor dem Schloss in Colombier. Geschrei. Ich erhalte die Anweisung mich vor dem Eingang zum Schloss in eine Zweierkolonne einzureihen. Wir dürfen nun durch das Tor, müssen aber sogleich wieder anhalten und warten auf - auf den Befehl nun mit unserer ganzen Packung im vollen Tempo den Weg zum Schlosshof hochzurennen. An der Seite stehen Instruktoren, welche mit eindeutigen Gesten und rustikalen Wortwendungen uns zu mehr Tempo verhelfen. Beim Feldi angekommen gebe ich mein Dienstbüchlein ab und erhalte einen Sack mit Essen und ein Blatt Papier auf dem steht, dass ich, wenn ich es unterschreibe, sogleich aus der Offiziersschule austreten kann. Anschliessend muss ich mich in eine Viererkolonne einreihen. Der Schulkommandant Stv tigert derweilen hin und her und hält eine Begrüssungsrede die allen Anwesenden in bester Erinnerung bleiben wird. Wir stehen und stehen und stehen. Ein Kamerad verliert das Bewusstsein und fällt um. Ein anderer möchte ihm helfen, erhält aber einen ZS (ugs. Zusammenschiss) und den Befehl weiter in seiner Ruhestellung zu verbleiben. Jedem ist ab jetzt klar, die kommenden Wochen werden hart. Eine längere Zeiteinheit ZS später ging's auf die Übung Greenbox. Die Offiziersschule hatte einige Mottos, unter anderem folgende: Exemplo Ducemus, (Führen durch Vorbild), NO EXCUSES (egal was du machst es gibt keine Ausreden) und «Singä oder Secklä» jeder Zug musste mindestens 3 Lieder auf Lager haben). Wenn nicht gerade in einer mehrtägigen Übung begann der Tag nach striktem Ablauf. Singen war neben Laufen einer unserer Hauptdisziplinen. Zum Antrittsverlesen marschierten die drei Züge jeweils mit ihren Zugsliedern auf. In AV-Formation aufgestellt wurde die Infanterieballade gesungen. Anschliessend folgte die Nationalhymne in drei Sprachen. Es galt ja die bereits erwähnte Regel bei Verschiebungen entweder zu singen oder zu rennen. Und da wir nicht immer rennen konnten, kamen pro Tag so einige Lieder hinzu. Nur einen kleinen Teil der Offiziersschule verbrachten wir aber in Colombier. Meist im Zwei-Wochen-Rhythmus wechselten wir die Standorte und waren unter Anderem in Bure, Le Day, Isone oder Andermatt. Bleibende Erinnerungen hinterliessen beispielsweise die Sprengausbildung, die Zugsgefechtsschiessen oder die Highland-Games in Isone.

DHU

Gekrönt wurde die Offiziersausbildung von der Durchhalteübung, welche für jeden etwas bereithielt. Ob laufen bis zum Einschlafen, kriechen in einer schmalen 1,2 km langen Röhre mit knietiefem Schmelzwasser oder die Übung Captivus - jeder hatte so seine schwierigen Momente. Dazu schneite es auch noch die ganze Woche. Wenn immer möglich packten wir die Notkocher aus, um uns einen Tee zu kochen oder die wenigen «Trecking Food» Mahlzeiten aufzuwärmen. Mir ist diese Zeit jedenfalls ziemlich diffus in Erinnerung geblieben. In dieser Woche hatte ich einige Gespräche mit Personen die gar nicht da waren und Dinge gesehen, die definitiv nur aus einer Fantasiewelt stammen konnten. Der 100 km Marsch; ein besonderes Erlebnis.

Die VBA

Inf VBA Die Beförderung zum Offizier fand im schönen Kursaal in Interlaken statt. Es blieb eine kurze Verschnaufpause bis das Abverdienen in Chur folgte. Schon im KVK ging's dann aber wieder zur Sache und das Vorbereiten von Übungen und Arbeitsprogrammen liess uns oft bis tief in die Nacht hinein arbeiten. Ausbildungskontrollen, Schiessplatzformulare und sonstiger Papierkram - zeitweise wähnte ich mich als Bürolist. Dennoch, die Arbeit auf dem Feld überwiegte, da trotz ausgefeilter Tagesarbeitsprogramme immer wieder improvisiert werden musste. Das Führen einer Truppe erwies sich immer wieder als eine grosse Herausforderung, zumal der Zug aus sehr unterschiedlichen Persönlichkeiten bestand. Höhepunkte für die Soldaten und die Vorgesetzten waren fast ausschliesslich Übungen, die fordernd waren und bei denen Teamwork ganz besonders im Mittelpunkt stand. Dies stellte ich besonders beim Häuserkampf, wo Rücken an Rücken gearbeitet werden musste, aber interessanterweise auch bei simplen Märschen fest.

Am 15.April 2005 ging eine sehr intensive und erlebnisreiche Zeit zu ende.

Bericht verfasst von Stephan Schaupp